Recruiting Trends 2017: Worauf es ankommt

Jan Scherping ist u.a. Experte für das Kompetenzfeld Medien & Digitale Services

Zu einigen aktuellen Recruiting Trends hat uns Hans-Claudio von Kameke, geschäftsführender Gesellschafter bei TGMC, bereits eine Einschätzung gegeben. Dazu gab es auch ein paar allgemeine Tipps zum Recruiting Know-How. Dieses Mal stand uns Jan Scherping, u.a. zuständig für den Bereich Medien & Digitale Services, für einige Fragen zur Verfügung.

Die Vor- und Nachteile des Mobile Recruiting als neuen Trend haben wir im vorangegangenen Beitrag thematisiert. Gibt es noch weitere aktuelle Recruiting Trends, die gerade auf dem Vormarsch sind?

Wir haben festgestellt, dass sich der digitale Wandel auch bei der Kandidatensuche bemerkbar macht. Die Besetzung von Vakanzen für den digitalen Umbruch, um die Unternehmen sich früher selbst gekümmert haben, wird uns übertragen, damit wir qualifiziertes Personal suchen. Der Fachkräftemangel ist deutlich spürbar, so dass es in vielen Fällen nur noch über die direkte Ansprache geht. In einigen Bereichen dauert es heutzutage länger Stellen zu besetzen. Hintergrund ist, dass diese Fachkräfte viele Angebote bekommen, keinen Entscheidungsdruck besitzen und mitunter mit mehr Gehalt von ihrem Arbeitgeber gehalten werden. Der Wettbewerb um gutes Personal hat sich sehr verschärft.
Weiterhin ist zu beobachten, dass jüngere Leute viel Wert auf die Inhalte ihrer Aufgaben legen. Sie wollen genau wissen, womit sie sich im neuen Unternehmen beschäftigen werden, wie reizvoll das ist und ob es für sie eine fachliche Weiterentwicklung bedeutet. Auch wünschen sich viele eine 4-Tagewoche für eine gute Work-Life-Balance.

Sie sind bei TGMC Ansprechpartner für den Bereich Medien & Digitale Services, Herr Scherping. Gibt es speziell für diesen Bereich Änderungen, die sich im Rahmen der Digitalisierung bereits abzeichnen?

Im Bereich der Medien hat die Digitalisierung das komplette Geschäftsmodell auf den Kopf gestellt. Wertvolle Inhalte wurden lange Zeit von Zeitungen und Zeitschriften im Netz verschleudert, was dazu führte, dass der Verkauf von Print-Erzeugnissen immer mehr zurückging - und damit auch die Anzeigenerlöse. Jetzt werden erste Erlös-Modelle im Internet ausprobiert, die zumindest Teile der Verluste auffangen können. In den Buchverlagen hingegen haben die Verantwortlichen lange geglaubt, sie hätten nichts mit dem Thema zu tun. Ihre Digitalstrategie beschränkte sich auf die Veröffentlichung von E-Books. Für uns als Personalberater macht sich dieser Trend auch dadurch bemerkbar, dass  „klassische“ Redakteure kaum mehr gesucht werden, sondern stattdessen E-Commerce-Spezialisten, Software-Entwickler oder Online Marketing Manager. Die Organisationen verändern nicht nur ihr Erscheinungsbild, sondern auch ihre Kultur.

Durch Ihre tägliche Arbeit mit unterschiedlichen Unternehmen bekommen Sie hautnah mit, wie diese sich nach und nach der Digitalen Transformation, beispielsweise durch Prozessoptimierungen, anpassen – oder eben auch nicht. Was können Sie uns dazu sagen?

Viele Unternehmen haben lange geglaubt, sie seien nicht betroffen. Viele waren auch einfach unsicher. Jetzt plötzlich gibt es aber eine Trendwende, und es finden große Investitionen in Menschen und Technik statt. Was bleibt, ist die Frage des richtigen Zeitpunkts: Ist meine Zielgruppe schon so digitalaffin, dass meine Investition sinnvoll ist? Ich kenne Fachverlage, die haben tolle digitale Konzepte in der Schublade, aber ihre Zielgruppe braucht vielleicht noch ein, zwei Jahre. Wie auch immer, der digitale Wandel ist unumkehrbar. Diejenigen, die da nicht mitziehen, werden bald nicht mehr existieren - davon bin ich überzeugt.

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