Onboarding: Ein unterschätzter Prozess

Clemens Kemmer, Onboarding-Coach bei TGMC

„Onboarding“ ist ein Begriff, der in der Personalwelt zunehmend an Relevanz gewinnt. Angesichts des Fachkräftemangels hat es das Unternehmen viel Zeit und Mühe gekostet, die Vakanz zu besetzen. Noch bevor der erste Tag des Arbeitsverhältnisses begonnen hat, beläuft sich die Investition schon auf dem Niveau des Preises für einen Mittelklassewagen. Nun kommt es darauf an, dass nach dem Arbeitsvertrag auch ein emotionaler Kontrakt geschlossen wird, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer die im Bewerbungsgespräch geweckten Erwartungen gegenseitig erfüllen. Als Unterstützung dafür dient der Onboarding-Prozess, denn das Scheitern eines noch jungen Arbeitsverhältnisses ist für beide Seiten viel zu teuer. Wir haben Clemens Kemmer, Experte für Onboarding-Coaching bei TGMC, einmal genauer dazu befragt.

Herr Kemmer, was ist „Onboarding“ und warum ist es für Unternehmen sinnvoll?

Onboarding ist ein Prozess, der sowohl den neuen Mitarbeiter als auch seine Führungskraft durch die Probezeit begleitet. Ziel für den Neuen ist die reibungsfreie Integration in sein neues Umfeld. Ziel für die Führungskraft ist darüber hinaus auch noch das Feedback zu sich selbst und der eigenen Organisation, das er durch den noch unbefangenen Blick des neuen Mitarbeiters gewinnen kann. Beide Seiten schließen in dieser Phase einen emotionalen Kontrakt, der viel wirksamer den Alltag des Arbeitsverhältnisses prägt als der Arbeitsvertrag. Wenn das schief geht, ist das für beide Seiten schlecht. Für das Geld, was da durch den Schornstein geht, kaufen sich andere Leute ein neues Auto. Also sorgen wir im Onboarding dafür, dass die Integration des neuen Mitarbeiters besser gelingt.

Sie sind bei TGMC der Onboarding-Coach und sprechen hier aus Erfahrung. Welche Vorteile bringt so ein Prozess?

Es gibt nur eine Chance für einen guten ersten Eindruck – das gilt für den neuen Mitarbeiter und das Unternehmen. Der Mitarbeiter gewinnt durch einen straffen Einarbeitungsplan und ein detailliertes Briefing über die geschriebenen und ungeschriebenen Spielregeln früh an Orientierung und Sicherheit in seiner neuen Rolle und seinem neuen Umfeld. Er kann die Klippen umschiffen und früh seine Leistung entfalten. Außerdem erlebt der Mitarbeiter im Onboarding, dass sein Arbeitgeber ihn professionell und verbindlich integriert. Das fördert die Mitarbeiterbindung vom ersten Tag an.

Gibt es auch Vorteile für den Arbeitgeber?

Na klar! Die Vorteile einer gelingenden Integration werden in Geld und Motivation ausgezahlt. Was es kostet, wenn es daneben geht, haben wir schon erwähnt. Nun ist es oft so, dass die Aufmerksamkeit der Führungskräfte nach der Einstellungsentscheidung sich wieder umgehend dem operativen Geschäft zuwendet. Um die Formalien und die Integration sollen sich das Sekretariat oder die Personalabteilung kümmern. Aber oft genug sind die ebenso überlastet wie unsere Führungskraft oder sie haben gar keine Integrationsprozesse an der Hand und dann kommt überraschenderweise der Anruf vom Empfang, dass dort Herr Meyer stehe, der hier arbeiten wolle - und niemand hat für Laptop und Schreibtisch gesorgt. Autsch. Das vermeiden wir im Onboarding und wir heben das Potenzial des unbefangenen Blicks auf die Organisation, den der neue Mitarbeiter anzubieten hat. Außerdem werden wir in den ersten Monaten Irritationen und Konflikte konstruktiv klären. Damit läuft’s am Anfang einfach geschmeidiger.

Was sind denn wichtige Elemente bei einem Onboarding-Prozess?

Der vierstufige Onboarding Prozess startet schon bevor das Arbeitsverhältnis beginnt. Die Praktischen Fragen werden geklärt und vorbereitet, der Einarbeitungsplan abgestimmt und terminiert, und die gegenseitigen Erwartungen präzise besprochen. Insbesondere das Briefing zu den ungeschriebenen Spielregeln und Tabus der Organisation bilden ein zentrales Element der Vorbereitung, das durch die Einweisung für Mitarbeiter und Führungskraft, was besser zu tun oder zu lassen sei, abgerundet wird.

Nach dem Eintritt erfolgen im ersten und dritten Monat zwei Treffen, bei denen offene Fragen besprochen werden. Danach geben sich beide Feedback in unterschiedlichen Formaten und vereinbaren Maßnahmen und Aktionen. Ganz spannend ist der „heiße Stuhl“, bei der einmal die Führungskraft den Mitarbeiter und einmal der Mitarbeiter die Organisation bewertet. Da steckt immer Energie drin, glauben Sie mir.

Nach fünf Monaten schließt der Prozess mit einem ausführlichen Probezeit-Gespräch, einem Rück- und Ausblick und einer Zielvereinbarung. Dann läuft’s.

Wo liegt hier das Angebot von TGMC?

Für uns endet eine professionelle Stellenbesetzung für unsere Kunden und Kandidaten erst mit einer erfolgreichen Integration. Daum bieten wir das Onboarding an, damit Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen nachhaltigen emotionalen Kontrakt schließen können, der eine langjährige und fruchtbare Zusammenarbeit begründet. Führungskraft und Mitarbeiter werden von einem erfahrenen Coach in vier intensiven Meetings begleitet. Wir sind von der Dienstleistung so überzeugt, dass wir sie nur berechnen, wenn die Probezeit bestanden wird. Das spricht für sich.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

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