Career Support: Vom Umgang mit Absagen

Clemens Kemmer ist Partner bei TGMC und Experte für den Bereich Career Support

Im letzten Beitrag unserer Blog-Serie haben wir mit der These geschlossen, dass es nicht um irgendeinen Job geht, sondern um einen, der für Sie lange gut funktioniert und der Ihnen Freude macht. Ist dann eine Absage Ihrer Bewerbung eine schlechte Sache? „Es kommt darauf an“, sagt Experte Clemens Kemmer.

Wenn die Absage kommt, obwohl Sie für die Aufgabe sehr gut geeignet sind, die Recruiter das aber weder Ihren Unterlagen noch Ihrer Vorstellung haben entnehmen können, dann ist die Absage eine ärgerliche Sache – für Sie und auch für die Recruiter, die sich jetzt womöglich mit dem zweitbesten Kandidaten begnügen müssen.

Sie sind mit aussagestarken Unterlagen und einem überzeugenden Auftritt im Interview in den Bewerbungsprozess gestartet, Ihre Gesprächspartner haben Ihnen die Aufgabe mit allen Vor- und Nachteilen realistisch geschildert, die Gesprächsatmosphäre war sehr gut und nun das: die Absage. Entweder war Ihr Wettbewerb noch besser - schade, aber eine wichtige Information - oder es hat fachlich oder menschlich eine gravierende Lücke zum Anforderungsprofil gegeben. Dann ist die Absage ein sehr gutes Ergebnis, denn Sie wollen nicht Ihren Job kündigen und im neuen Job nach kurzer Zeit feststellen müssen, dass Sie dort Ergebnisse liefern müssen, für die Sie nicht die Schlüsselqualifikation besitzen oder für die Sie nicht das passende Motivations- und Wertegerüst mitbringen. Dann erspart Ihnen die Absage eine stressige Zeit mit vielen frustrierenden Erfahrungen und den nächsten Wechsel innerhalb einer kurzen Frist.

Die unerfreuliche Erfahrung, die alle Bewerber machen, ist die schlechterdings inhaltslose und floskelhafte Form des Feedbacks. Sie ist einerseits der Angst vor den Haftungsrisiken der Antidiskriminierungsbestimmungen geschuldet und andererseits der Scheu der Feedbackgeber (oder sollten wir besser sagen Feedbackverweigerer),  harte Wahrheiten auszusprechen, die zwar weh tun aber lehrreich sind. Oder es ist einfach nur die Ignoranz der Mittelmäßigen im Bewerbungsprozess. Von guten Personalberatern dürfen Sie allerdings eine detaillierte Rückmeldung erwarten, von guten Personalern auch – für beide ist das ein Qualitätskriterium. Lassen Sie sich dennoch nicht entmutigen und sammeln Sie so viele Informationen wie möglich nach der Absage, um daraus Ihre Schlüsse zu ziehen und besser zu werden.

Wenn Sie selbst absagen, machen Sie es besser! Gönnen Sie sich selbst als Profi und Ihrem zukünftigen Netzwerk aber auch Ihren Gesprächspartnern eine wohl begründete Absage, die allzu platte und vorher schon offensichtliche Absagegründe wie Standort, Gehaltshöhe oder Branche meidet, sondern vielmehr inhaltlich eine stringente und in der Form wertschätzende Begründung. Man sieht sich im Leben immer zweimal, heißt es. Machen Sie daraus schon heute eine gute Erfahrung.

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